1. Welche unterschiedlichen Therapien für Prostatakrebs gibt es?

1.1 Was sind fokale Therapien?

Das Prinzip der fokalen Therapie lässt sich mit einer Fragestellung prägnant zusammenfassen: Warum die ganze Prostata entfernen, wenn der Krebs nur an einer Stelle sitzt? Die gleiche Entwicklung hat die Behandlung von Brustkrebs bei Frauen genommen: Während man zunächst die ganze Brust entfernte, wird heute in den allermeisten Fällen nur der Krebsherd fokal entfernt und die Brust erhalten. Die Nebenwirkungen sind bei der fokalen Therapie wesentlich geringer, beim Mann bedeutet das ein Erhaltung von Potenz und Kontinenz. Da fokale Therapien weniger invasiv sind als die Prostatektomie, sind auch die allgemeinen Operationsrisiken und -nebenwirkungen geringer: Weniger Komplikationen (Blutung, Infektion, Verletzung anderer Organe, tödliche Komplikationen), weniger Schmerzen, kürzere Erholungszeit, keine langwierige Nachbehandlung und Rehabilitation.

Fokale Therapien sind eine neue Behandlungsmodalität, die in den letzten Jahren durch bessere, immer genauere diagnostische MRT-Technologien möglich wurde. Die Idee ist, das Karzinom gezielt zu behandeln, um möglichst viel von der Prostata zu erhalten. Eine präzisere Diagnostik und Durchführung ist hierbei nötig, jedoch hat dieses Vorgehen eine wesentlich positivere Auswirkung auf den Funktionserhalt wie Kontinenz und Potenz. Die Heilungszeit ist verglichen mit radikalen Therapien enorm verkürzt. (siehe fokale Therapie: IRE)

1.2 Was sind radikale Therapien?

Zu den radikalen Therapien zählen die klassischen Therapien, voran die chirurgische Entfernung der Prostata. Hier ist Ziel, die gesamte Prostata und den darin enthaltenen Prostatakrebs zu entfernen. Auch die Strahlentherapien verfolgen dieses Ziel. Hormon- und Chemotherapie wirken darüber hinaus auf den ganzen Körper und werden meist bei metastasierenden Prostatakarzinomen eingesetzt.

Der Gedanke hinter der radikalen Prostatektomie: Ist die Prostata komplett entfernt, ist auch das Prostatakarzinom komplett entfernt und die Krebserkrankung geheilt. Leider ist die Biologie des Menschen nicht so simpel: Bei jeder Krebserkrankung verteilen sich Krebszellen im ganzen Körper. So finden sich bei jedem Prostatakarzinom Krebszellen außerhalb der „Prostatakapsel“ (die es eigentlich nicht gibt und nur die äußeren Schichten der Prostata darstellt) und im Blut. Nur so ist die hohe Rezidivrate von 30% nach radikaler Prostatektomie zu erklären.

1.3 Was ist „Active Surveillance“ ?

Aktives Überwachen bietet sich oft bei älteren Patienten mit low-grade Karzinomen an. Da die Prostatakarzinome oft Jahrzehnte brauchen, um die Prostata-Kapsel zu durchbrechen oder zu metastasieren, ist ein gründliches und geplantes Beobachten oft die einfachste und sinnvollste Methode. Ob der Patient für aktives Überwachen in Frage kommt, hängt von medizinischen und persönlichen Faktoren ab: Alter des Patienten, allgemeiner Gesundheitszustand, PSA-Spiegel zur Zeit der Diagnose, PSA-Verdopplungszeit, Gleason-Score des Karzinoms, Tumorstadium, persönliche Präferenzen des Patienten, etc.

Die Entscheidung zur aktiven Überwachung sollte mit einem Experten genauestens besprochen und erst nach einer Biopsie und MR-Bildgebung entschieden werden.

2. Was ist IRE – Irreversible Elektroporation (NanoKnife®)?

Die IRE, kurz für Irreversible Elektroporation, ist ein neuartiges Verfahren zur Gewebeablation.

Im Gegensatz zu anderen Gewebeablationsverfahren, die Hitze oder Kälte nutzen um das Gewebe zu zerstören, werden bei IRE nur die Zellen des Tumorgewebes zerstört; die anderen Gewebeanteile, wie Kollagen- und Elastinfasern, Basalmembranen und interstitielle Matrix, bleiben erhalten. Während andere Verfahren wie HIFU („high energy focussed ultrasound“), RF-Ablation, Laserbehandlung und Kryoablation das Gewebe vollständig „einschmelzen“ und eine sogenannte Koagulationsnekrose erzeugen, die das Gewebvolumen mit allen seinen anatomischen Strukturen zerstört, bleiben bei der IRE Gefäße, Nerven, Muskeln, Sehnen und Faszien erhalten. Somit werden bei der IRE die Strukturen, welche das Prostatakarzinom umgeben, wie das neurovaskuläre Bündel, der Blasenboden, die Blasensphinkter und das Rektum geschont. Es treten in Folge weniger Nebenwirkungen auf: Impotenz und Inkontinenz können in den meisten Fällen vermieden werden.

Ein weiterer Vorteil der IRE ist, dass keine Wundschmerzen nach der Behandlung auftreten, da die IRE im Gegensatz zu anderen Verfahren keine Entzündung auslöst. Letzteres erklärt auch, warum bei der IRE keine Vernarbungen entstehen, die bei allen operativen Behandlungen, Bestrahlungen und Thermoablationsverfahren (HIFU, Laser, RFA, etc.) entstehen und jede erneute Behandlung erschweren. Mit IRE können Behandlungen beliebig oft wiederholt werden. Eine nachfolgende Operation oder Bestrahlung wird von der IRE nicht beinträchtigt.

Die Behandlung mit der IRE ist in der Regel innerhalb von 24h abgeschlossen. Reha und Nachsorgebehandlungen sind nicht erforderlich.

Irreversible Elektroporation – IRE ist eine auf kurz gepulsten, starken elektrischen Feldern basierende
Gewebeablationstechnologie. Obwohl die Methode als sogenannte „reversible Elektroporation“ schon seit
Jahrzehnten in der Zellforschung eingesetzt wird, ist die irreversible Elektroporation zur Gewebeablation eine erst kürzlich entwickelte und zugelassene (FDA, CE) Methode. Während bei der reversiblen Elektroporation vorübergehend Poren in Zellmembranen erzeugt werden, um z.B. große Moleküle in Zellen ein- oder auszuschleusen, werden bei der irreversiblen Elektroporation derart große Poren erzeugt, die sich nicht wieder schließen können, dass Wasser in die Zelle eindringt und diese zum Zerplatzen bringt. Übrig bleiben Zelltrümmer, deren Moleküle jedoch nicht thermisch verändert sind.

Drei wesentliche Eigenschaften unterscheiden die IRE von allen anderen minimalinvasiven Ablationsmethoden und macht sie somit überlegen:

IRE ist ein nicht-thermisches Gewebeablationsverfahren, d.h. das Gewebe wird nicht wie bei HIFU, Laser- oder RF-Ablation „verkocht“. Somit bleiben verbrennungstypische Gewebereaktionen (Schmerz, Entzündung, Vernarbung) aus. Umgebende Organe wie Rektum, Blase, neurovaskuläres Bündel, Blasensphinkter, Urethra etc. werden, im Gegensatz zur Behandlung mit thermischen Therapieverfahren erhalten.

IRE zerstört nicht das gesamte im Behandlungsfeld liegende Gewebe durch „Einschmelzung“ oder „Verkochen“, sondern zerstört selektiv Gewebezellen. Alle anderen Gewebeanteile bleiben erhalten, so z.B. Kollagen- und Elastinfasern, Basalmembranen und die interstitielle Matrix. Gefäße, Harnröhre, Nerven, Muskeln und Sehne, Faszien, etc. bleiben somit erhalten oder regenerieren sich nach der Behandlung. Am besten kann man das mit dem Abriss eines Stahlbetongebäudes vergleichen: Während bisherige Verfahren der Sprengung des Gebäudes entsprechen, werden bei der IRE nur die Wände herausgerissen, das Stahlskelett bleibt bestehen und kann mit neuen Wänden saniert werden.

Das Behandlungsfeld wird extrem scharf begrenzt. Damit lässt sich erstmals ein behandeltes Gewebevolumen präzise abgrenzen, ohne über die Ränder hinaus Gewebeschäden zu verursachen. Der Übergang zwischen dem Behandlungsfeld, in dem alle Zellen zu 100% zerstört werden und der Umgebung, in der überhaupt keine Schäden auftreten beträgt nur 2 – 3 Zellschichten. Bei allen anderen Verfahren, ob Thermoablation (Laser, HIFU, etc.) oder Strahlentherapie, selbst bei der hochpräzisen Protonentherapie, ist die Randzone der partiellen Gewebeschädigung (aber unsicheren Krebszerstörung) mehrere Zentimeter breit.

Damit ermöglicht die IRE (NanoKnife®) eine völlig neue Art der Krebstherapie. Die Vorteile für die Behandlung der Prostata liegen auf der Hand: Die Prostata ist ein kleines Organ und hat viele empfindliche Grenzbereiche. Die IRE ermöglicht eine präzise Therapie mit minimalen unerwünschten Nebenwirkungen.

3. Warum werden diese modernen Therapien nicht überall durchgeführt? Mir wurde zu diversen Formen der Prostatektomie oder der Strahlentherapie geraten.

Der wichtigste Grund dürfte die Diskrepanz zwischen dem rapiden Fortschritt in der Medizin und der antiquiert langwierigen Ausbildung von Ärzten liegen: Während die Halbwertszeit medizinischen Wissens heute ca. 3 Jahre beträgt, dauert die Ausbildung von Ärzten mindestens 6 Jahre im Grundstudium und 4 bis 6 Jahre in der Facharztausbildung, mit möglicher nachfolgender Subspezialisierung von weiteren 3 bis 5 Jahren. Nach diesem Marathon stehen die meisten Ärzte Neuerungen äußerst skeptisch gegenüber.

Auch die Evaluierung neuer Verfahren ist antiquiert: Klinischen Studien an Patienten in Behandlungs- und Kontrollgruppen dauern oft 5 bis 10 Jahre oder länger, insbesondere bei langsamen Krankheitsprozessen wie dem Prostatakarzinom. Liegen die Ergebnisse vor, ist die untersuchte Methode oft obsolet, oder es werden Fehler im Studiendesign entdeckt (weil neues Wissen vorliegt, das am Anfang der Studie nicht verfügbar war), so dass die Ergebnisse teilweise oder völlig ungültig sind.

Nichtsdestotrotz basieren die sogenannten Behandlungsleitlinien (so die S3-Leitlinie Prostatakarzinom der Urologie) auf der klassischen Evaluation im Sinne der sogenannten „evidence based medicine“.

Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle. Nehmen wir als Beispiel die Strahlentherapie. In den letzten Jahren haben viele Krankenhäuser konventionelle Strahlentherapieeinheiten eingerichtet, jede für viele Millionen Euro, und zwar deshalb, weil die Strahlentherapie gut vergütet wird. Tatsächlich ist die konventionelle Strahlentherapie mit Photonen jedoch gegenüber der wesentlich präziseren Protonentherapie im Prinzip schon veraltet. Nicht nur die Krankenhäuser, sondern auch der Staat ignorieren oder behindern die Entwicklung der Protonentherapie mit dem Argument, dass die Methode nicht genügend evaluiert sei. Bei Unterfinanzierung der Krankenhäuser muss der Staat subventionieren.

Ein weiterer Grund ist die Tatsache, dass die Kostenträger im Gesundheitswesen lieber teure Methoden
bezahlen, für die sie die Kosten sicher kalkulieren können, als günstigere Methoden, bei denen sie die Anzahl der Behandlungen und die Folgekosten nicht kennen. Auch in diesem Sektor ist der Erhalt des Status quo einfacher zu verwalten als der Wandel.

Die Frage, wann fokale Verfahren in die S3-Leitlinie aufgenommen werden, können wir nicht beantworten. Genügend wissenschaftliche Erkenntnisse über die Erfolge von fokalen Therapien gibt es schon seit Jahren. Doch Langzeitergebnisse mit Statistiken über Zeiträume von 10 – 15 Jahren liegen noch nicht vor.

Eine Zahl, die man vielleicht kennen sollte, bevor man zu radikalen Therapien greift: Auf 15 Jahre gerechnet beträgt der Überlebensvorteil bei einer direkten radikalen Therapie gegenüber einer einfachen PSA-Überwachung im Mittel 1%. [CITE: Urologic Oncology 2012, Focal therapy of prostate cancer: energies and procedures] Radikal sollte man unserer Meinung nach nur therapieren, falls es wirklich lebensnotwendig ist - und nicht als Routine.

Prostata Krebs Behandlung im Prostata-Center Offenbach: Welchem Konzept folgen wir?

Warum die Prostatektomie den Prostatakrebs nicht heilen kann

4. Ich hatte bereits eine Biopsie mit Krebsbefund. Kann ich jetzt direkt mit IRE (NanoKnife®) behandelt werden?

Ein hochauflösendes, multiparametrisches MRT ist die Voraussetzung für eine Behandlung. Falls dieses noch nicht durchgeführt wurde, vereinbaren Sie mit uns einen Untersuchungstermin.

Wir empfehlen außerdem die Durchführung einer transperinealen 3D-Biopsie vor der fokalen Behandlung mit IRE (NanoKnife®). Nur die 3D-Biopsie ermöglicht die exakte Bestimmung der Karzinomverteilung in der Prostata, so dass alle Karzinomherde behandelt werden können. Manche dieser Herde sind mikroskopisch klein und bildgebend nicht darstellbar, auch nicht im MRT.

Aber: Bei ausgedehnten Karzinombefunden, bei denen letztendlich die gesamte Prostata abladiert werden muss, kann in Einzelfällen auf eine 3D-Biopsie verzichtet werden.

Auch bei Patienten mit kleinen fokalen Karzinomen, die in der MRT-Untersuchung gut sichtbar sind, und bei denen nur die Biopsieproben aus dem Karzinom einen niedrigen Gleason-Score (<7) ergeben haben, d.h. die Proben aus den anderen Teilen der Prostata negativ waren, könnte auf eine 3D-Biopsie verzichtet werden. In diesen Fällen ist nicht ausgeschlossen, dass neben dem Hauptherd – der sogenannten Indexläsion – noch andere, sogenannte Satellitenherde, vorliegen. Es gibt aber Hinweise darauf, dass es vertretbar ist, nur die Indexläsion zu zerstören und kleine niedriggradige Krebsherde in der Prostata zu belassen, ohne das Überleben des Patienten zu gefährden. Diese Vorgehensweise muss im Individualfall geprüft werden.

5. Muss in jedem Fall eine transrektale Biopsie durch eine transperineale Biopsie wiederholt werden?

Man kann anhand der MRT-Bilder im Zusammenhang mit Ihren Ergebnissen der transrektalen Stanzbiopsie entscheiden, ob eine transperineale 3D-Biopsie nötig ist oder ob Sie auch ohne zusätzliche 3D-Biopsie behandelt werden könnten. Eine Behandlung ohne vorhergehende 3D-Biopsie geht aber immer mit einem Verlust der Treffsicherheit einher.

6. Wie sind Ihre Erfahrungen (quantitativ und qualitativ)?

Wir haben weltweit die meisten Prostatakarzinom-Behandlungen mit Irreversible Electroporation (IRE) – dem NanoKnife® – durchgeführt. Alle bisher durchgeführten Behandlungen waren erfolgreich.

Bei keinem der von uns behandelten Patienten trat bisher eine Inkontinenz auf.

Bei drei Patienten trat nach der Behandlung eine Impotenz auf. Bei einem der betroffenen Patienten mit zeitlicher Verzögerung nach der Behandlung, so dass wir unsicher sind, ob dies durch die Behandlung verursacht wurde. In zwei Fällen erholte sich die Potenz nach 6-9 Montaten vollständig, ein Patient ist aktuell (3/2014) noch ohne Potenz. Alle anderen vor der Behandlung potenten Patienten waren auch nach der IRE potent. Saubere Statistiken lassen sich mit so geringen Zahlen noch nicht erstellen - aber es zeichnet sich ab, dass IRE deutlich potenzerhaltender ist als gängige Methoden. Nur in einem Fall kam es zu einer Komplikation, welche einen kurzen Krankenhausaufentalt ohne Operationsfolge notwendig machte. Es handelte sich um einen fortgeschrittenen Spezialfall.

Update 9/2015: Auf dem World Congress on Electroporation haben unsere Zwischenergebnisse zu safty and efficacy präsentiert. Hier können Sie eine konvertierte und kommentierte Version des Präsentation betrachten: https://www.prostata-center.de/index.php/de/world-congress-on-electroporation-2015

Update 7/2017: Unser Erfahrungsschatz beruht nun auf 6 Jahren und mehr als 600 behandelten Fällen jeden Stadiums und jeden Grades.



7. Können Sie einen Erfolg garantieren? Ist das Karzinom nach der IRE sicher und für immer weg? Bleiben Nebenwirkungen sicher aus?

Es gibt leider keine Behandlung für keine der über 200 Krebsarten, die garantiert, dass Krebs für immer fernbleibt. Kommt der Krebs wieder, spricht man von einem Rezidiv. Genau wie bei anderen Krebsarten, ist bei der Prostata die Biologie zu komplex und die inter-individuellen Unterschiede zu groß um einheitliche Aussagen machen zu können. Die lebenslange Rezidivwahrscheinlichkeit bei der radikalen Entfernung und der Bestrahlung der Prostata wird typischerweise zwischen 30%-60% angenommen. Hier können Sie sich - wenn Sie ihren PSA-Wert, Gleason Score und Stadium kennen - die Rezidivwahrscheinlichkeit anzeigen lassen: https://urology.jhu.edu/prostate/hanTables.php

Hier ein Artikel über die Prostatektomie und das falsch verstandene konzept Radikaler = Sicherer: Warum die Prostatektomie den Prostatakrebs nicht heilen kann Hier können Sie sich anschauen, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Ektomie nicht den gesamten Tumor entfernen kann, da das Tumorwachstum die Kapsel überschritten hat:https://urology.jhu.edu/prostate/partin_tables.php

Haben Sie Probleme diese Zahlen zu verstehen oder zu verarbeiten? Lassen Sie sich einen Termin geben, wir klären gerne alle Ihre Fragen, sodass Sie eine informierte Entscheidung bezüglich Ihrer Therapie treffen können.

Statistiken für IRE werden noch viele Jahre (Jahrzehnte) dauern und hängen auch vom Behandlungsziel und der Durchführung ab. Ferner wird sich die Technik weiter entwickeln, was wiederum neue Statistiken notwendig macht. Aktuelle zahlen (letzte Publikation) finden Sie unter dem vorangegangendn Punkt. Unabhängig davon, wie hoch die Rate schlussendlich sein wird, liegt der Vorteil der IRE in der Wiederholbarkeit durch den geringen Gewebeschaden.

Bezüglich der Nebenwirkungen gilt Folgendes: Zwar erscheint IRE bisher extrem schonend, theoretische Komplikationen gibt es aber - wie bei jeder medizinischen Behandlung. Es findent ein kleiner Eingriff in den Körper statt. Je nach Größe des Behandlungsfeldes ist der Eingriff möglicherweise sogar nicht unerheblich. Zwar ist IRE durch die beschriebenen Eigenschaften sicherlich sehr viel schonender als alle anderen Therapien, aber Langzeitzahlen über mögliche Nebenwirkungen gibt es nicht. Unsere negativen Erfahrungen mit IRE limitieren sich bisher auf durch den Katheter ausgelöste Harnwegsinfekte und Harnverhalte, beides verhältnismässig harmlose Komplikationen. Sind umliegende Organe wie Rektum, Dünndarm, Blasenwand, Blasenschließmuskel ect. durch Ihren Krebs bereits infiltriert, gibt es weitere fallspezifische mögliche Nebenwirkungen. Dies wird aber stets im Einzelnen gründlich mit Ihnen besprochen.

Da die bisherigen Behandlungsmethoden für Prostatakarzinome einerseits keine Heilung garantieren, andererseits mit erheblichen Nebenwirkungen (ca. 70% Impotenz, 10-50% Inkontinenz, siehe Barmer Krankenhausreport 2012 für reale zahlen in Deutschland) behaftet sind, stellt die Behandlung mit IRE, insbesondere als fokale Therapiemethode, eine sehr interessante Alternative dar. Denn im Gegensatz zu radikalen Therapien, bei denen Rezidive bekannterweise nicht selten sind, eine Folgebehandlung oft aber nur begrenzt möglich und meist ohne erheblichen Überlebensvorteil ist, schränkt die IRE eine Folgebehandlung nicht ein. Falls nach einigen Jahren (Jahrzehnten) eine Folgebehandlung nötig wird, kann die Prozedur (oder ein zu dem Zeitpunkt besseres Verfahren) problemlos und ohne Einschränkungen angewendet werden.

In vielen Fällen dürfte die IRE zurzeit der beste Ansatz zur Behandlung von Prostata-Karzinomen sein, da die Tumorablation im Behandlungsfeld sicher* und die Nebenwirkungen gering sind.

Stets muss jedoch der Einzelfall betrachtet werden, insbesondere auch in Bezug auf die befürchteten Hauptnebenwirkungen wie Impotenz und Inkontinenz. Auch ist zu beachten, dass die IRE kein Allheilmittel für jedes Tumorstadium ist.

Deswegen beraten wir Sie vor jeder Behandlung umfassend über ALLE Behandlungsalternativen, sowohl in Bezug auf medizinisch-wissenschaftliche Fakten, als auch in Bezug auf Ihre persönlichen Prioritäten!

* sicher: Es gibt keine Studie, die verbliebende Krebsherde in mit IRE behandleten Zonen gezeigt haben. Bei Strahlentherapie und Hitzetherapien ist ein überleben einzelner Zellen hingegen häufig gezeigt worden. Die Energiedeposition mittels IRE erscheint somit effektiver zu sein als bisherige Therapien.

8. Wie viel Zeit muss ich mir für den Eingriff einplanen und wann bin ich wieder arbeitsfähig?

Die Behandlung mit IRE dauert ca. 2h und wird unter Vollnarkose durchgeführt. Ein Blasenkatheter verbleibt nach Eingriff noch für ca. 12-48 Stunden. Sie werden nach der Behandlung eine Nacht stationär (in einer Privatklinik oder einem Hotel) ärztlich betreut. Nach insgesamt 24h können Sie in der Regel wieder nach Hause. Die meisten Patienten empfinden den Katheter als störend, empfinden jedoch keine Schmerzen, die durch die IRE-Behandlung bedingt wären.

9. Mein Arzt rät mir von der IRE-Methode ab, weil diese noch nicht erforscht sei. Bin ich ein Versuchskaninchen bei Ihnen?

Wir haben bereits eine Vielzahl von Patienten mit Erfolg behandelt. Die IRE, bzw. das von der Firma
angiodynamics hergestellte NanoKnife®, ist sowohl in den USA durch die FDA (Food and Drug Administration) als auch in Europa (CE Zertifikat) und in Deutschland (Medizinproduktegesetzt für medizinische Behandlungen am Menschen) zugelassen. Die Zulassung bezieht sich auf Gewebeablation im gesamten Körper des Menschen, somit auch an der Prostata. Sind Sie also keinesfalls ein Versuchskaninchen.

Trotzdem ist die IRE als fokale Behandlungsmethode bei Prostatakarzinomen immer noch als experimentelles Verfahren einzustufen, weil bisher keine Langzeitergebnisse - weder für die fokale Therapie noch für die Prostatakarzinombehandlung mit dem NanoKnife® - vorliegen (siehe Punkt 3).

In Anbetracht der schlechten Therapieergebnisse der bisherigen Prostatakarzinomtherapie (70% Impotenz, 10-50% Inkontinenz, 30% Rezidivrate, Überlebensvorteil nach Prostatektomie 15 Jahre nach OP nur 1 %, etc.) ist davon auszugehen, dass eine neue Methode mit weniger Nebenwirkungen auf jeden Fall besser ist, auch wenn bisher keine beweisenden Langzeitergebnisse vorliegen. Mehr dazu hier: Warum die Prostatektomie den Prostatakrebs nicht heilen kann


10. Wo sind die Vorteile gegenüber anderer fokaler Verfahren wie etwa Laser, HIFU, RFA, Cryo, Seed ect.?

Siehe: Punkt 2 „Was ist IRE“

11. Ich habe einen fortgeschrittenen Tumor mit Organüberschreitung und/oder Metastasen. Können meine Metastasen auch mit der IRE (NanoKnife®) behandelt werden?

Wir behandeln regelmäßig Patienten mit organüberschreitendem Tumorwachstum, wie z.B. Infiltration der Samenblasen, des Beckenbodens, etc. In den meisten Fällen muss jedoch in diesen Tumorstadien eine begleitende Therapie, z.B. Antihormontherapie, durchgeführt werden. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass sich insbesondere in diesen fortgeschrittenen Stadien eine Reduktion der Tumormasse positiv auf den Therapieerfolg auswirkt.

Theoretisch ist es möglich, Lymphknoten- und Knochenmetastasen mit dem NanoKnife® zu behandeln. Sogar, wenn diese in der direkten Nachbarschaft von großen Gefäßen liegen, da IRE diese nicht zerstört. Für die Behandlung von Lymphknoten- und Knochenmetastasen können verschiedene Methoden angewendet werden. Neben der IRE stehen uns insbesondere mit der mit Elektrochemotherapie kombinierten IRE (IRECT) und der Elektrochemotherapie oder dem Cyberknife (moderne strahlentherapeutsche Methode) hochpotente fokale Therapien zur Verfügung. Ob Ihre Metastase mit fokalen Therapien behandelbar ist, hängt von der Anzahl, Lokalisation und Ausbreitung der Metastasen ab und muss im Einzelfall und nach genauer Beurteilung Ihres Krankheitsbildes entschieden werden. Ob die Maßnahmen nur palliativ oder kurativ sind, hängt auch vom Einzelfall ab. Oft ist in fortgeschrittenen Tumorstadien eine Kombinationstherapie sinnvoll (schonende Tumormassenreduktion, Hormontherapie und ggf. Chemotherapie).

Die neusten Ansätze (und gleichzeitig vermutlich auch die Zukunft der Krebstherapie) kommt aus der Immun-Onkologischen Forschung. Diverse Immuntherapien sind bereits verfügbar, wenn auch oft noch sehr teuer und spezifisch für das Prostatakarzinom nicht vollständig erforscht. Da für Patienten mit Metastasen oft aber die Option auf Warten nicht gegeben ist, bieten wir, in speziellen Fällen, die erfolgsversprechendsten Prostatakrebs Immuntherapien, als individuellen Heilungsversuch nach gründlicher Fallprüfung an: Immuntherapie und IRE bei metastasierten Prostatakakrebs

12. Ich habe ein Rezidiv nach einer Prostatektomie oder einer anderen radikalen Therapie. Kann das Rezidiv mittels IRE behandelt werden?

Die Behandlung von Rezidiven ist eine primäre Anwendung für die IRE, bei der die IRE besondere Vorteile aufweist; in manchen „austherapierten“ Fällen ist die IRE oft die einzig verbleibende Behandlungsmöglichkeit.

Nach vorausgegangenen Behandlungen, ob chirurgisch oder z.B. nach HIFU, treten oft Vernarbungen auf. Dies macht eine erneute Operation schwierig. Eine Nachbehandlung mittels erneuter OP oder HIFU ist oft mit einem erhöhten Impotenz- und Inkontinenzrisiko verbunden. Bei vorausgegangener Bestrahlung ist nach Erreichen der Grenzdosis eine erneute Bestrahlung nicht möglich. Eine OP(salvage prostatectomy) ist im Strahlenfeld sehr schwierig: „Sowohl die Vernarbungen als auch das schlecht heilende, „brüchige“ strahlengeschädigte Gewebe behindert eine OP oder macht diese unmöglich.“

Auch die Nähe von empfindlichen Strukturen, wie dem Darm oder dem Blasensphinkter, kann die
Nachbehandlung mit herkömmlichen Methoden limitieren.

Mit IRE können in allen Fällen, nach OP, HIFU oder Strahlentherapie Tumorrezidive minimalinvasiv, mit
minimalem Risiko und ohne wesentliche Belastung für den Patienten behandelt werden. Es sind beliebig viele Wiederholungen möglich, sofern diese erforderlich sein sollten.

Wir haben bereits komplizierte Rezidive erfolgreich behandelt. Die IRE ist in dieser Hinsicht einzigartig, da selbst Rezidive in sonst inoperablen Lokalisationen erfolgreich behandelt werden können.

Voraussetzung ist eine präzise Diagnostik. Langzeiterfahrungen und Statistiken liegen noch nicht vor.

13. Ich habe zusätzlich zum Tumor eine BPH. Kann diese gleich mitbehandelt werden?

Ja, wir haben bisher gute Erfolge bei der Behandlung von benignen Prostatahyperplasien (BPHs) mit dem NanoKnife®. Der Vorteil ist die selektive Ablation der Zellen, die für die Hyperplasie verantwortlich sind (die BPH ist eine zelluläre Hyperplasie, im Gegensatz, z.B. zum Uterusmyom). Während bei der chirurgischen Behandlung der BPH und der Laserbehandlung der Zugang über die Harnröhre erfolgt und die intraprostatische Harnröhre zerstört wird, erfolgt der Zugang bei der IRE-Behandlung über die Dammregion direkt in die BPH der sogenannten Transitionalzone. Die intraprostatische Harnröhre, aber auch der sogenannte Colliculus seminalis, der für eine normale Ejakulation wichtig ist, bleiben erhalten. Ein wesentlicher Vorteil der Behandlung mit dem NanoKnife® ist jedoch auch, dass nach dem Eingriff kaum oder überhaupt keine Wundschmerzen auftreten, da zwar Zellen zerstört werden aber keine Gewebenekrose erzeugt wird.

BPHs und Karzinome können im gleichen Eingriff behandelt werden, was bei vielen Patienten
automatisch geschieht, da Prostatakarzinom und BPH oft gleichzeitig vorliegen.

14. Wird ein NanoKnife® Eingriff von meiner gesetzlichen Krankenkasse übernommen?

Gesetzliche Krankenkassen in Deutschland bezahlen in der Regel nur Verfahren, die in den S3-Leitlinien des Prostatakarzinomes aufgeführt sind: Prostatektomie und Strahlentherapie, sowie die Hormon- und Chemotherapie. Ausländische „gesetzliche“ Krankenkassen übernehmen oft die Kosten.
Wir empfehlen Ihnen trotzdem, Ihren persönlichen Einzelfall mit der gesetzlichen Kasse zu verhandeln. Denn die Kosten für die Prostatektomie sind sowohl kurzfristig (DRG für Krankenhausaufenthalt), als auch langfristig (Behandlung von Komplikationen und Langzeitschäden) teurer als eine erfolgreiche fokale Therapie.

15. Welche Kosten erwarten mich?

Eine IRE-Therapie kostet rund 11.000 – 15.000 €. Ein multiparametrisches MRT vor der IRE ist immer notwenig und eventuell ist auch eine 3D-Biopsie anzuraten/notwendig. Gerne stellen wir Ihnen einen Kostenvoranschlag zur Verfügung, benötigen jedoch vorher selbstverständlich einige Informationen um abschätzungen machen zu können.

16. Ich habe einen schlechten Gesundheitszustand. Ist IRE möglich?


Der limitierende Faktor ist die Narkose. Der Sie behandelnde Anästhesist entscheidet, ob eine Narkose möglich ist. Ggf. sind entsprechende Tests wie eine körperliche Untersuchung, (Belastungs-)EKG, Bluttests, Röntgen, Ultraschall, oder auch eine volle kardiologische Untersuchung erforderlich.

Die Behandlung ist minimalinvasiv und fast völlig schmerzfrei, so dass sie theoretisch in Lokalanästhesie durchgeführt werden könnte. Die Lokalanästhesie lässt jedoch im Gegensatz zur Vollnarkose keine Muskelrelaxation zu, daher muss die Behandlung in Vollnarkose erfolgen.

17. Wird durch die Prostatektomie der Prostatakrebs geheilt?

„Lassen Sie sich die Prostata entwerfen, nur dann ist der Krebs wirklich weg…“ In einem kurzen Artikel erklärt Prof. Stehling den betreffenden Patienten, warum eine andere Sicht auf die Erkrankung Krebs notwendig ist um die hohen Rezidivraten und oft geringen Überlebensvorteile der Prostata Operation (Prosttektomie) zu verstehen – und was das für den Patienten bedeutet. zum Artikel

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Professor Stehling

Michael Stehling

 

Prof. Dr. med. Dr. phil. Dr. med. habil. Michael K. Stehling - University Professor of Radiology, Jerusalem University Visiting Scholar, University of California in Berkeley, Privatdozent an der LMU München

 

Prof. Stehling war wissenschaftlicher Mitarbeiter von Sir Peter Mansfield, der 2003 für die Entwicklung der Magnetresonanztomographie mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Seit 2010 leitet Prof. Stehling das auf moderne Diagnostik und minimal invasive Therapieverfahren spezialisierte Prostata-Center in Frankfurt am Main/Offenbach.

Dr. med. Stefan Zapf

Stefan Zapf

 

Dr. med. Stefan Zapf studierte Biologe und Humanmedizin an der Universität in Mainz. Hier war er nach der Facharztausbildung sowohl in der diagnostischen und interventionellen Radiologie, als auch in der Strahlentherapie in leitender Position tätig. Seit 2005 leitet er die interventionelle Radiologie des Institutes für Bildgebende Diagnostik und des Prostata-Centers. Zusammen mit Prof. Stehling führte er weltweit die meisten erfolgreichen Interventionen mit gepulsten E-Feld Verfahren durch.