prostata ire

Eine neuartige Behandlungsmethode für Prostatakrebs, die sogenannte Irreversible Electroporation (IRE), kurz NanoKnife®-Behandlung, eröffnet neue Möglichkeiten der Prostatatherapie - mit minimalen Nebenwirkungen.

Während bisherige Behandlungsmethoden bei der Mehrzahl der behandelten Männer zu Impotenz (Verlust der Erektionsfähigkeit des Penis) und Inkontinenz (Verlust der Harnblasenfunktion) führen, können diese Nebenwirkungen bei der NanoKnife®-Behandlung in den meisten Fällen vermieden werden. Die Bedeutung dieses Paradigmenwechsels in der Prostatatherapie wird klar, wenn man bedenkt, dass jeder 6. Mann von Prostatakrebs betroffen ist. Und während das Prostatakarzinom früher in erster Linie eine Erkrankung des alten Mannes war, sind heute zunehmend auch jüngere Männer davon betroffen.

Bei der Behandlung mit dem NanoKnife® führen starke elektrische Felder zum Zelltod, ohne Bestrahlung oder Erhitzung des Gewebes. Diese sogenannte Irreversible Elektroporation (IRE) zerstört Tumor- und Parenchymzellen zuverlässig. Wichtige anatomische Strukturen in und nahe der Prostata wie Nerven und Gefäße, Schließmuskel und Darmwand, werden hingegen geschont. Erektion und Harnkontinenz bleiben somit erhalten. 

Bisher wurden alle sogenannten "Fokalen" Therapie mittels Brachytherapie (Strahlen) oder HIFU (High Intensity Focused Ultrasound, Hitze) durchgeführt. Diese älteren Verfahren verursachen erhebliche Umgebungsschäden insbesondere in Nervennähe und sind, insbesondere im Falle der Brachytherapie, schwer oder gar nicht wiederholbar. IRE / NanoKnife löst alle Probleme dieser Therapie und bringt wie oben beschrieben den zusätzlichen Aspekt der Gewebeselektivität und der hohen Präzision mit.

Damit ist die IRE / NanoKnife nicht nur ein Durchbruch bei der Therapie für fokalen, früh erkannten Prostatakrebs. Die Technologie eignet sich auch für fortgeschrittene Fälle von Prostatakrebs z.b. in Kombination mit Elektrochemotherapie und/oder neuen Immuntherapien.

Die NanoKnife®-Technik - prädestiniert unter anderem für den Einsatz bei Prostatakrebs

Irreversible Elektroporation (IRE, NanoKnife®) basiert auf ultrakurz gepulsten, sehr starken elektrischen Feldern. Diese neue Technologie hat gegenüber allen gängigen Verfahren einzigartige Eigenschaften, welche es für den Einsatz an der Prostata prädestinieren:

  • Gewebeselektiv: Es werden nur Zellen mit einer Membran (wie z.b. Krebszellen) zuverlässig zerstört, während alle anderen Strukturen (Nerven, Arterien, Bindegewebestrukturen...) erhalten bleiben
  • Ultrascharfe Ränder: Bei Strahlentherapien und hitzebasierten Therapien entsteht stets eine oft mehrere Zentimeter große, ungewollt teilbeschädigte Zone. Bei IRE ist die Grenze zwischen "vollständig entfernt" und "unbeschädigt" im Bereich von Mikrometern.
  • Induzierter Zelltot: IRE induziert "Apoptose", keine Strahlenschäden, keine Verbrennung und folglich keine Vernarbung. Bei Bestrahlung (Protonen, Brachy etc.) oder Hitzetherapien (HIFU etc.) entstehen große "toxische" Areale, da das verbrannte Gewebe für den Körper einen Giftstoff darstellt. Entzündung und Schmerz gefolgt von Vernarbung sind die Folge.
  • Ohne Einschränkung für Folgebehandlungen: Aus den oben genannten Gründen ist die Behandlung, falls nötig, mit allen anderen Techniken (Strahlung, Hitze, Chirurgie) ohne Einschränkung möglich oder IRE kann beliebig wiederholt werden.
  • Schmerzfrei und minimalinvasiv: Aus den gerade genannten Gründen und da dünne Nadeln die einzige invasivität darstellen, merkt man von der Therapie in der Regel gar nichts.
  • Schnell und einmalig: In einer einzigen Sitzung unter Vollnarkose lassen sich auch umfangreiche Bereiche behandeln
  • Breites Einsatzspektrum: Während kleine, früh erkannte Prostatakarzinome sicherlich das einfachste Einsatzziel darstellen, sind auch Neubildungen nach Strahlentherapien, Totalentfernung, HIFU, Brachytherapie oder inoperable kapselüberschreitende Karzinome potentiell behandelbar.
  • Immunsystem: Die freigesetzten Tumorproteine durch IRE helfen dem Immunsystem bei der Bekämpfung der restlichen Krebsherde. [Erfahren Sie Mehr hierzu...]

IRE als Technik ist seit 2006 von der FDA und CE zertifiziert. Die Zertifizierung hat es erhalten, da in allen Studien ein sicheres Abtöten aller Zellen in einem definierten Bereich in Weichgewebe gezeigt werden konnte. Trotzdem sind zwei Faktor maßgeblich für den Erfolg einer NanoKnife®-Therapie:

Erstens die fehlerfreie und präzise Lokalisation des Tumors vor der Behandlung.
Zweitens das Aufbauen des geplanten Feldes am passenden Ort.

Ersteres wird mittels multiparametrischer MRT Untersuchungen, 3D-Biopsien und gegebenenfalls weiteren Hilfsmitteln direkt im - darauf seit 10 Jahren spezialisierten - Institut für Bildgebende Diagnostik durchgeführt.

Zweiteres wird in einem minimalinvasiven Eingriff unter Vollnarkose durch das Einführen von sterilen Nadeln mit variabler Expositionslänge realisiert. Expositionslänge ist die Länge, auf der elektrischer Kontakt zum Gewebe besteht. Mit über 5,5 Jahren und den welweit meisten durchgeführten Prostata-Behandlungen sind wir führend, während Andere in Deutschland gerade beginnen.

Der Ablauf in der medizinischen Praxis

Schritt 1: Planung

Der wahrscheinlich essenziellste Schritt. NanoKnife®-Therapie ist eine fokale bildgestütze Therapie deren Ergebnis nur so gut wie die Diagnostik und Planung sein kann. Das NanoKnife® kann nicht selbstständig selektieren wo sich die Krebszellen befinden. Was die Qualität der Diagnostik betrifft, sollten Sie als Patient keine Kompromisse eingehen. Jegliche Form von Ultraschall (auch Elastographie oder konstmittelverstärktes Ultraschall) sowie rektale Stanzbiopsien haben eine erschreckend niedrige Sensitivität. Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass der(die) Krebsher(de) vollständig sichtbar werden.

Aktuell sind lediglich multiparametrische MRTs von spezialisierten radiologischen Instituten sowie ggf. Cholin- und PSMA-PET-CTs adäquate Verfahren zur bildgebenden Diagnostik. [Fragen Sie jetzt unsere Experten an]. Zusätzlich bringen 3D-Sättigungs-Biopsien eine weitere Dimension in die 3D-Bilddaten. Da wir auf beide Verfahren spezialisiert und darin erfahren sind, erreichen wir die Präzision welche die NanoKnife®-Therapie überhaupt valide macht. Unsere 0% Rezidivrate nach Erstbehandlungen seit mehr als 4,5 Jahren zeigt dies.

Unsere Ärzte und Physiker errechnen das Ausmaß des Tumors in den Schnittbildern des MRT und planen ggf. mit speziell von uns dafür entwickelten 3D-Simulationen das Behandlungsfeld. Die Daten werden gespeichert und am OP-Tag auf den OP-Monitor übertragen.

Schritt 2: Platzierung der Elektroden

Bei der Behandlung der Prostata werden die Nadeln transperineal eingestochen, also durch den Damm. Ein Endorektal-Ultraschall hilft bei der Platzierung. Hier kommt Erfahrung ins Spiel: Während bereits zwei Nadeln das räumliche Vorstellungsvermögen fordern können, sind komplexere Anordnungen mit vielen Nadeln höchst anspruchsvoll. Denn: Das Organ Prostata ist relativ klein, von komplexer Geometrie und von vitalen Bereichen umgeben. Ferner unterliegen die möglichen Nadelanordnungen strengen Limitationen. Diverse selbst entwickelte Computersoftware hilft uns im Prostata-Center bei der perfekten Platzierung. Trotzdem kann dies unter Umständen mehrere Stunden dauern.

Schritt 3: Simulation

Ist die Anordnung der Nadeln perfekt, werden die Nadelpositionen am Ultraschallgerät ausgemessen und in die NanoKnife®-Software und ggf. zusätzliche externe Software übertragen. Das Behandlungsfeld kann nun am Computer durch einige Parameter wie Spannung, Pulslänge und Pulsanzahl noch verändert werden. Stimmt alles mit der Organ- und Tumorgeometrie überein (es wird stets ein Sicherheitsrand um den Tumor herum eingeplant) lädt das NanoKnife® seine Kondensatoren.

Schritt 4: Ausführung

Zwischen jeweils zwei Nadeln wird nun eine Potentialdifferenz aufgebaut. Typischerweise beträgt die Potentialdifferenz zwischen den Nadeln 3000V. Das bedeutet, dass auf Nadel 1 +1500V und auf Nadel 2 -1500V liegen. Der Patient bleibt auf 0V. Diese Spannungen wirken möglicherweise eher lebensgefährlich als schonend - aber die Zeit während diese Spannung anliegt ist im millionenstel Sekundenbereich und ist daher ungefährlich. Es werden keine Verbrennungen oder Ähnliches erzeugt. Für Details über die Wirkungsweise und zur Therorie von IRE siehe Artikel zur IRE Theorie.

Die Anzahl der Nadeln kann je nach Anforderung an das Behandlungsfeld stark variieren. Der Computer des NanoKnife®-System übernimmt die passende Ansteuerung der Nadeln - je nachdem wie die Software eingestellt wurde. Die Behandlung selber dauert in der Regel nur Sekunden bis wenige Minuten.

Diverse im Prostata-Center verwendete Software ist auf der Datenlage von vielen hundert ausgewerteten MRT Datensätzen und IRE-Protokollen entwickelt und ermöglicht überlegene Planungspäzision.

Schritt 5: Nachsorge

Die Einstichstellen verschließen sich direkt nach dem Herausziehen der Nadeln, der Patient hat keine Schmerzen. Unter Umständen kann der Katheter als unangenehm empfunden werden. Der Katheter kann je nach Fall nach 1 bis 14 Tagen entfernt werden. Kleinere Blutmengen im Urin oder im Sperma sind bis mehrere Wochen nach dem Eingriff möglich, da der Abtransport von IRE-abladiertem Gewebe sich bis zu 6 Monate hinziehen kann.

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Professor Stehling

Michael Stehling

 

Prof. Dr. med. Dr. phil. Dr. med. habil. Michael K. Stehling - University Professor of Radiology, Jerusalem University Visiting Scholar, University of California in Berkeley, Privatdozent an der LMU München

 

Prof. Stehling war wissenschaftlicher Mitarbeiter von Sir Peter Mansfield, der 2003 für die Entwicklung der Magnetresonanztomographie mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Seit 2010 leitet Prof. Stehling das auf moderne Diagnostik und minimal invasive Therapieverfahren spezialisierte Prostata-Center in Frankfurt am Main/Offenbach.

Dr. med. Stefan Zapf

Stefan Zapf

 

Dr. med. Stefan Zapf studierte Biologe und Humanmedizin an der Universität in Mainz. Hier war er nach der Facharztausbildung sowohl in der diagnostischen und interventionellen Radiologie, als auch in der Strahlentherapie in leitender Position tätig. Seit 2005 leitet er die interventionelle Radiologie des Institutes für Bildgebende Diagnostik und des Prostata-Centers. Zusammen mit Prof. Stehling führte er weltweit die meisten erfolgreichen Interventionen mit gepulsten E-Feld Verfahren durch.

Video über IRE NanoKnife®

Zusammengefasst

  • Die Therapieoptionen bei Prostatakrebs haben sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und sind präziser und schonender geworden.
  • Irreversible Elektroporation (NanoKnife®-Therapie) ist die zur Zeit fortschrittlichste und schonendste Therapieoption für Patienten mit Prostatakrebs. Impotenz und Inkontinenz können verhindert werden, Behandlungszeit und Schmerzen werden minimiert, Folgetherapien nicht eingeschränkt.
  • Vor jeder rationalen Therapieentscheidung sollte eine präzise Diagnostik und ausführliche Beratung stehen.
  • Im Prostata-Center stehen Ihnen die besten Spezialisten und neuesten Technologien für Ihre Therapiewahl zur Verfügung.

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